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Recht / Arbeits-/Sozialrecht 
Donnerstag, 23.05.2019

Krankenkasse muss Echthaarteil bezahlen - Keine Begrenzung der Kosten auf Kunsthaarperücke

Die Versorgung mit einem maßgefertigten Echthaarteil kann aus medizinischen Gründen erforderlich sein. Die Kostenbegrenzung auf einen Höchstbetrag gelte dabei nicht. Das entschied das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen (Az. L 4 KR 50/16).

Eine 55-jährige Frau litt an einer Schuppenflechte, die zunehmend zu kreisrundem Haarausfall führte. Um die kahlen Stellen zu bedecken, beantragte sie bei ihrer Krankenkasse ein handgeknüpftes Echthaarteil. Die Kosten beliefen sich auf 1.290 Euro. Die Kasse genehmigte die Kostenübernahme bis zum Höchstbetrag von 511 Euro. Hierfür sei eine gute Versorgung zu bekommen. Die Frau könne auch durchaus eine Perücke tragen, da sie sich nicht überwiegend in der Öffentlichkeit, sondern erhebliche Zeit im privaten Umfeld bewege. Eine Kunsthaarperücke sei zur Wiederherstellung eines unauffälligen Erscheinungsbildes ausreichend. Eine teurere Versorgung sei unwirtschaftlich.

Das Gericht gab jedoch der Klägerin Recht und verurteilte die Kasse zur Erstattung der Gesamtkosten. Partieller Haarverlust sei als Behinderung zu bewerten. Grundsätzlich schulde die Krankenkasse zum Behinderungsausgleich zwar nur eine Versorgung, die den Haarverlust nicht sogleich erkennbar werden lasse. Die umfassende Rekonstruktion des ursprünglichen Aussehens sei nicht von der Leistungspflicht umfasst. Im Einzelfall könne jedoch auch ein maßgefertigtes Echthaarteil aus medizinischen Gründen erforderlich sein. In einem solchen Falle könne die Frau nicht gezwungen werden, eine Perücke zu tragen. Das Gutachten eines Dermatologen habe ergeben, dass eine vollständige Abdeckung des verbliebenen Haupthaars durch eine Kunsthaarperücke aufgrund der Schuppenflechte nicht anwendbar sei.

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